Jama'at-un Nur Deutschland e.V.
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Jama’at-un Nur, Gemeinschaft des Lichtes

versteht sich als Aufklärungsbewegung, die sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, die Moderne mit dem Islam zu versöhnen. Sie fordert und betreibt daher eine Neuinterpretation des Koran im Lichte unserer Zeit.

 

Im Mittelpunkt des geistigen Lebens der Gemeinschaft steht neben Koran und Sunna das von ihrem Stifter, Bediüzzaman Said Nursi (1876-1960), verfasste „Risale-i Nur“. Die Gemeinschaft geht davon aus, dass es sich dabei um ein logisches und wissenschaftlich fundiertes Konzept für die Bewältigung der Gegenwartsprobleme handelt, mit denen sich die Muslime in verstärktem Masse konfrontiert sehen.

 

Said Nursi wurde im Jahre 1876 in Nurs, in der Osttürkei, geboren. Es wird überliefert, dass ihm von seinem 9. Lebensjahr an von seinem älteren Bruder Abdullah die Grundkenntnisse des Islam vermittelt wurden. Der junge Said besuchte in dieser Zeit die Koranschule des Mulllah Muhammed Amin in Tagh. Später wechselte er zu den Korangelehrten Sayyid Nur Muhammed über.

 

Während dieser Zeit nahm Said Nursi brieflich mit zahlreichen bekannten Moscheepredigern und Religionsführern in der Osttürkei Verbindung auf und absolvierte auf diese Weise eine

 

Art „theologische Fernkursus“. Zuletzt wurde er von Shaikh Muhammed Jalali unterwiesen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit beschäftigte er sich mit jeglicher Literatur moderner Wissenschaften, der er im Ostanatolien habhaft werden konnte. Said Nursi schloss im Alter von etwa vierzehn Jahren seine Ausbildung ab. Inzwischen war er so bekannt geworden, dass der regionale Gouverneur von Van ihn als seinen Privatsekretär einstellte.

 

Said Nursi wurde mit der Zeit so bekannt, dass ihn der Gouverneur von Van, Hassan Pascha, in sein Provinz berief, um den dort lebenden Stämmen Glaubensunterricht zu erteilen. An der Horhor-Medresse (Religionsschule) von Van führte Said Nursi die erste Unterrichtsreform der Türkei durch. Vor allem war er um die Gründung einer modernen islamischen Universität in der Osttürkei bemüht. Zwar hatten der Sultan und das Parlament seinen Plänen schließlich zugestimmt, sie konnten jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht mehr realisiert werden.  

 

Bereits in seiner später berühmt gewordenen Predigt in der Omayyaden-Moschee von Damaskus (1911) hatte Said Nursi auf den Zustand des Islam hingewiesen und damit das Ziel seiner Bewegung skizziert. Seine damals gestellte Diagnose lautete: Die muslimische Gemeinschaft ist krank, sie ist gekennzeichnet von einem totalen Zusammenbruch ihres sozialen und politischen Systems, durch wachsende Feindschaft unter den Muslimen, durch die Vernachlässigung von Solidarität in den Beziehungen der islamischen Völker untereinander sowie durch die Anbetung des Totalitarismus und durch wachsende Egoismus. Die Lösung der vielfältigen Probleme sieht Said Nursi in einer Rückbesinnung auf die Glaubensquellen und in der Praktizierung einer am Koran orientierten Lebensweise.

 

Im erstem Weltkrieg befehligte Said Nursi ein Freiwilligenregiment, das aus seinen Schülern gebildet worden war. Er geriet in die russische Gefangenschaft und schrieb in Sibirien einen ersten Korankommentar. Nach zweinundeinhalb Jahren glückte ihm die Flucht. Über Petersburg, Warschau, Berlin und Wien kam er im Jahre 1918 nach Istanbul zurück und erhielt alsbald eine Berufung als Mitglied des „Dar’ul-Hikmat-al Islamiyya“, des Islamischen Hauses der Weisheit, der Obersten Religionsbehörde des Osmanischen Reiches.

 

In der Mitte der zwanziger Jahre kam es - wie Said Nursi schrieb- „zum Bruch zwischen dem alten und dem neuen Said“. Er konzentrierte sich fortan allein auf den Koran als maßgeblichen Führer der islamischen Gemeinschaft. Der Bruch zwischen dem „alten und neuen Said“ führte aber auch zur Entzweiung mit Mustafa Kemal Pascha (Atatürk), der ihm zuvor noch die Stellung eines Obersten Moscheepredigers im Ostanatolien angeboten hatte. Die Gegensätze zwischen den beiden Männern waren unüberbrückbar geworden. Während die junge Republik im Auftrag ihres Staatspräsidenten die islamische Organisationsstruktur zerschlug und das Eigentum der Gemeinde konfiszierte, die Orden aufhob, Moscheen schließen ließ und die Geistlichkeit zum Teil blutig verfolgte, das heißt den Islam völlig aus dem öffentlichen Leben der Türkei verbannte, verfolgte Said Nursi ebenso öffentlich die Auffassung, dass der Niedergang der Türkei nur durch eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen und sozialen Werte, auf die eigene vom Islam geprägte Identität aufgehalten werden könne.

 

Dazu schrieb das „Risale-i Nur Institut von Amerika“: Said Nursis „Gegnerschaft den europäisch orientierten Reformen gegenüber muss vor diesem Hintergrund verstanden werden. Der Einbruch Europas ist für ihn gewissermaßen die Folge der unter den Muslimen herrschenden Verhältnisse. Nur dadurch, dass die Muslime sich wieder auf den Koran besinnen und ihr Leben an ihm orientieren, kann der Niedergang der islamischen Welt in einen neuen Aufstieg verwandelt werden“ (Lichter für die Nacht der Zukunft heißt „ Berkeley/Cal., 1977) Im Jahre 1925 wurde Said Nursi für acht Jahre nach Barla verbannt. Während dieser Zeit verfasste er sein Hauptwerk, das „Risale-i Nur“ (Abhandlungen des Lichts), das der Bewegung seinen Namen geben und zur Mitte der neuen Bruderschaft werden sollte.

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